Mental Load & die Mitte: warum uns zu viel Denken erschöpft
- Julia Schoenbacher
- vor 6 Tagen
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Ich grüble gerade darüber nach, dass Grübeln laut TCM die Milz schwächt. Finde den Fehler. Dieser Satz ist nicht nur ein Witz. Er trifft einen Mechanismus, den viele Frauen kennen, ohne ihn benennen zu können.
Es gibt eine Aufgabe die nie endet. Nicht die Arbeit im Job, die hat theoretisch ein Ende. Ich meine die andere Arbeit. Die unsichtbare. Die im Hinterkopf läuft während man gleichzeitig kocht, telefoniert, das Kind ins Bett bringt und den nächsten Tag plant. Wer braucht morgen was? Ist das Rezept für den Kinderarzt noch gültig? Was war nochmal mit dem Elternabend? Haben wir noch Mehl? Wann muss ich den Reifenwechsel buchen?

Mental Load. Das Wort existiert seit ein paar Jahren. Das Phänomen schon viel länger.
Was die TCM dazu sagt
In der TCM ist Denken, zu viel Denken, kreisende Gedanken, chronisches Grübeln, eine direkte Belastung für die Milz. Die Milz ist in der TCM das zentrale Verdauungsorgan. Nicht nur für Essen, auch für Eindrücke, Informationen, Erlebnisse. Sie verarbeitet was hereinkommt und verwandelt es in Nährendes. Wenn zu viel hereinkommt und zu wenig Pause bleibt, erschöpft sie sich.
Eine erschöpfte Milz zeigt sich: Müdigkeit nach dem Essen, Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Blähungen, weicher Stuhl, das Gefühl eines schweren Kopfes. Und das kennen viele, das Gefühl dass man eigentlich ausgeschlafen ist aber trotzdem nicht wirklich da.
Chronische Mental Load schwächt die Milz und mittelfristig auch die Leber. Eine geschwächte Milz kann das Blut nicht mehr aufbauen. Kein Blut, kein Yin. Kein Yin, mehr Hitze, mehr Unruhe, schlechterer Schlaf. Alles hängt zusammen.
Was das für Frauen bedeutet
Mental Load trifft nicht ausschließlich Frauen, aber unverhältnismäßig oft. Studien zeigen es, die meisten Frauen wissen es aus eigener Erfahrung. Was dabei wenig besprochen wird: der persönliche und oft unsichtbare Preis. Chronisches Denken ist körperliche Arbeit. Er erschöpft genauso wie körperliche Anstrengung, nur ohne dass man es sieht, ohne dass man sich erlaubt sich hinzulegen weil man ja "nur nachgedacht" hat. Die Milz kennt diesen Unterschied nicht.
Was du tun kannst im Umgang mit Mental Load
Von innen
Ernährung die die Milz stärkt: warme, gekochte, leicht verdauliche Mahlzeiten. Die Milz liebt Wärme und hasst Kälte und Rohes.
Hirse · Haferbrei · Kürbis · Karotten · Süßkartoffel · Fenchel · gedünstetes Gemüse · Hühnersuppe · Reis · Kichererbsen · Linsen · Datteln · ein wenig Süßes aus natürlichen Quellen wie Datteln oder Feigen
Regelmäßige Mahlzeiten, zur gleichen Zeit, ohne Ablenkung. Die Milz braucht Rhythmus. Wer sein Mittagessen im Stehen vor dem Bildschirm isst, gibt der Milz keine Chance zu verdauen.
Was die Milz belastet: kalte Speisen und Getränke · Rohkost in großen Mengen · Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel · unregelmäßiges Essen · zu späte Mahlzeiten · Essen unter Stress.
Von außen
Das Schwierigste: loslassen lernen. Nicht als einmalige Entscheidung sondern als tägliche Übung. Konkret bedeutet das: eine Aufgabe am Tagesende bewusst liegen lassen. Nicht vergessen, bewusst liegen lassen. Den Unterschied spüren. Nichts passiert. Die Welt dreht sich weiter.
Die Frage die mir dabei hilft: Muss das jetzt sein, oder glaube ich nur, dass es so ist?
Kleine Entspannungsrituale die wirklich helfen das eigene Mindset zu drehen:
Zehn Minuten Stille nach dem Mittagessen, kein Handy, kein Bildschirm. Einfach sitzen.
Abends früh weg vom Bildschirm, nicht weil es eine Regel ist, sondern weil der Kopf, die Augen, dein ganzer Körper braucht.
Spazieren ohne Podcast, ohne Musik, ohne Aufgabe. Langweile erleben und zulassen.
Ein beruhigender für dich passender Tee am Abend. Probiere z.B. Melisse, Passionsblume, Rosenblüte - beruhigend, leicht, auch für Kinder geeignet.
Und das Wichtigste
Genug sein. Nicht als Motto auf einer Tasse. Als echte Überzeugung die man sich erarbeiten muss, gegen alle inneren und äußeren Stimmen die sagen, dass es noch mehr braucht.
Die Milz erholt sich wenn man ihr Raum gibt. Der Kopf auch. Und meistens stellt man fest: das was man liegen gelassen hat, war gar nicht so dringend.
Die gebügelte Wäsche kann warten. Die fröhlichen Abende mit den Liebsten nicht.


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