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Zähneknirschen: wenn der Körper nachts das sagt, was tagsüber nicht raus darf

  • Autorenbild: Julia Schoenbacher
    Julia Schoenbacher
  • 4. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Unser Sohn knirscht nachts mit den Zähnen. So laut dass man davon aufwacht. Jetzt weiß ich endlich was mein Mann jahrelang von mir nachts gehört hat. Beim Zahnarzt: Schiene empfohlen, abwarten, viele Kinder wachsen daraus heraus. Stimmt wahrscheinlich. Aber mich hat interessiert was dahinter steckt, und was ich tun kann statt nur zu warten.


Close-up view of a colorful array of fresh vegetables

Was die TCM dazu sagt


Zähneknirschen ist in der TCM ein klassisches Zeichen von Leber-Qi-Stagnation. Das Qi der Leber das keinen freien Fluss findet, das sich staut, drückt, keinen Ausweg hat, entlädt sich nachts über die Kiefer. Wer genau schaut, findet oft weitere Zeichen: Nägelbeißen, an Dingen nagen, kauen an Stiften oder Ärmeln. Alles Ausdrücke desselben Musters.


Die Reihenfolge macht den Unterschied


Eine Leber-Qi-Stagnation kann unterschiedliche Ursachen haben. Und gerade bei Kindern spielen viele Einflüsse gleichzeitig meist eine Rolle: zu kalte oder zuckerhältige Ernährung, zu viele stimulierende Reize, ein zu enges Zeitkorsett oder zu viel Druck, der aus einem hektischen Erwachsenenalltag beim Kind landet.


Was hilft, ist sanft einen Fluss wiederherzustellen. Erst danach würde ich mich auf das gezielte Nähren von Milz, Leber, vielleicht auch Niere konzentrieren. Denn in eine Stagnation Energie reinzuschicken, führt nur dazu, dass der Stau größer wird. Oft reichen schon kleine Veränderungen im Alltag, damit sich etwas löst:


  • Schritt 1 - Bewegung: täglich draußen, rennen, toben, klettern. Möglichst viele Abenteuer erleben. Das Leber-Qi liebt Bewegung (und zwar nicht nur das der Kinder!). Ein Kind das sich austobt schläft anders, als eines das den ganzen Tag gesessen hat. Auch Ernährung kann bewegen, z.B. Radieschen, Kresse, Sprossen.

  • Schritt 2 - Reize reduzieren: Bildschirm weg, mindestens eine Stunde vor dem Schlafen. Keine aufregenden Inhalte am Abend. Der Übergang vom Tag zur Nacht braucht Stille und Ritual. Sagt einem jeder, solange die Kinder klein sind, aber auch größere Kinder profitieren von einem gemütlichen Ausklang und gemeinsamen Abendritualen.

  • Schritt 3 - Nähren: warme Mahlzeiten, gedünstetes Gemüse, Hühnersuppe. Shiitake sind auch für Kinder gut verträglich. Lang gekocht in Eintöpfen oder Sugos lässt sich Gemüse gut und schmackhaft verpacken. Zucker reduzieren, er verstärkt Leber-Hitze.


Was sich bei uns verändert hat


Wir haben gemerkt, wie wenig wir Bewegung an einem normalen Arbeitstag ermöglichen, weil wir uns im eigenen Erwachsenerhythmus auf Erledigungen eingestellt haben: einkaufen, aufräumen, noch schnell ein Telefonat oder eine E-Mail, Abendessen kochen, Küche putzen. Dabei wäre Vieles davon nicht notwendig oder braucht gar nicht so viel Zeit. Die Zeitdiebe lauern meistens hinter den Screens, in die wir aus Müdigkeit oder Langeweile immer und immer wieder zwischendurch hineinschauen.


Warum nachmittags nicht nochmal 2h in die Therme, ins Schwimmbad, in den Kletterpark oder eine Runde mit dem Rad fahren? Bei Schlechtwetter abfangen spielen, Deckenhöhlen bauen, Lieblingsmusik mit dem Kind teilen und dazu tanzen (Kinder verzeihen einem jeden Tanzstil).


Die Veränderung beginnt fast immer im Kopf


Inzwischen machen wir es uns leichter und haben unseren Erwachsenen-Perfektionismus nach unten geschraubt: früher Abendessen, ruhigerer Abend, weniger Bildschirm, ein festes Einschlafritual haben sich daraus fast wie automatisch ergeben. Das Knirschen ist leiser geworden. Nicht weg, aber leiser. Und ich schlafe auch besser. Aus mehreren Gründen.



 
 
 

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